Zeichnen ist immer auch ein Entwurfsprozess
Die dreidimensionale Freihandzeichnung kann für den Architekten ein wichtiges Ausdrucksmittel sein, um seine eigenen Vorstellungen vermitteln zu können. Ausdruckskraft und Spontaneität einer Arbeit stehen dabei in direktem Zusammenhang mit der gewählten Zeichentechnik.
Freihandzeichnen erlernen wir am einfachsten durch Wiedergabe der Umwelt. Dabei ist eine intensive Betrachtung, ein Abtasten mit den Augen, eine notwendige Voraussetzung, um ein Objekt innerlich zu erfassen und zu begreifen.
Wir sollten unsere Sinne dahin aktivieren, daß wir den in uns verankerten Anspruch auf Perfektion überwinden, um dadurch Hemmschwellen und innere Ängste vor „falschen Linien“ abzubauen.
Zuerst werden Gegenstände schemenhaft wiedergegeben. Dies geschieht durch feine Linienbündelungen, die sich allmählich zu Hüllformen verdichten. Durch diese Übungen mit suchenden, tastenden Linien entwickeln wir Vertrauen in unsere eigene intuitive Kraft, die sich unter anderem in einer immer größeren Sensibilität in Aus druck und Betonung der Linie zeigt. Mit fortlaufender Übung wächst die Sicherheit, die Ideallinie an der richtigen Stelle treffend einsetzen zu können.
Haben wir gelernt, den ihm innewohnenden Ausdruck eines Gegenstandes sowie seine Form, Proportion und Textur zeichnerisch zu erfassen und somit das Wesentliche mühelos darzustellen, können wir uns wieder schrittweise von der Realität entfernen.
Ähnlich wie in der Musik können wir über ein gewähltes Thema improvisieren. Verfremdungen, Neuinterpretationen sowie Abstraktionen entstehen, ohne daß wir dabei das Grundthema zeichnerisch aus dem Auge verlieren.
In diesem Entwurfsprozeß beginnt auf dem Blatt ein anregendes Spiel mit den Formen. Der Kreis einer sinnvollen Darstellungslehre schließt sich.
Als Architekten haben wir die Fähigkeit entwickelt, unsere eigenen Ideen und Vorstellungen zeichnerisch treffsicher darzustellen, während ein Verharren im reinen Kopieren der Realität nur der halbe Weg gewesen wäre.
Gerd Reinhardt
Bleistifttechniken
- Duktus der Linie
- Die Suchende Linie als Hüllform
- Organische - anorganische Formen
- Hell-Dunkel-Konstrast
- Aufbau einfacher Architekturskizzen mit Hilfe der Suchenden Linie
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